Polizei soll häufiger Flagge zeigen

Offenbach-Post Samstag, den 23.01.2016
Polizei soll häufiger Flagge zeigen
Sprecher des Vereins „Bürger für Sicherheit“ halten Rödermark nicht wirklich für sicher/ Lob für Kameras an den Bahnhöfen.

Rödermark Die Videoüberwachung des Urberacher Bahnhofs kommt noch im Februar. Dass die Kameras ein wachsames Auge auf den Bahnsteig und seine Umgebung werfen, ist nicht zuletzt der Hartnäckigkeit des Vereins „Bürger für Sicherheit in Rödermark“ zu verdanken. Sein Vorstand hat seit 2008 darauf gedrungen. Rödermark-Redakteur Michael Löw sprach mit den Sicherheitsberatern Horst Hyland (HH) und Wolfgang Schaefer (WS) über Kontrolltechnik, Polizeistatistiken und persönliche Empfindungen.

Wolfgang-NEUHerr Hyland, Herr Schaefer beschreiben Sie doch einmal Ihr ganz persönliches Sicherheitsgefühl auf einer Skala von eins bis zehn! Je höher der Wert, desto größer die Sicherheit.
WS: Mein subjektives Sicherheitsgefühl ist mittelmäßig, also höchstens vier auf Ihrer Skala, aufgrund der vielen unaufgeklärten Einbrüche sowie Diebstählen von und aus Kraftfahrzeugen, Sachbeschädigungen, Trickbetrügereien, Diebstählen in Supermärkten.
HH: …. ist stark angekratzt und überschattet durch die Zunahme von Kriminalität in unmittelbarer Nachbarschaft. Beispiele hat Wolfgang Schaefer ja genug genannt…

….das heißt auf eingangs erwähnter Skala?
HH: Ich würde zwei bis drei sagen.

Rödermark gehört zu den sichersten Städten im Kreis – sagt die Polizei. Sehen Sie das genauso?
WS: Dies muss eindeutig verneint werden. Wenn man die Kriminalstatistiken der letzten Jahre vergleicht, haben die Zahlen der Straftaten in Rödermark zwar leicht abgenommen, aber die Zahl der Diebstahldelikte hat zugenommen. In der Statistik werden nur Straftaten aufgeführt, die der Polizei bekannt sind (aufgrund von Anzeigen oder Festnahmen). Enkeltrick, Internetbetrug, Taschendiebstahl, Tricks an der Haustür und andere sind oft nicht der Polizei gemeldet und sind dem so genannten Dunkelfeld zuzuordnen.
HH: Eindeutig nein, die Kriminalität gegenüber anderen vergleichbaren Städten ist eventuell etwas niedriger, aber von Sicherheit und Aufklärungserfolgen in Rödermark kann keine Rede sein. Wo bleibt die Polizeipräsenz? Personal wurde abgebaut, Gelder gekürzt, da haben es die Ganoven leicht, schnell und unkontrolliert zu verschwinden. Statt vorher in Personal zu investieren und auf Prävention zu setzen, steigen jetzt die Kosten an. Das Land und der Bund haben versagt, denn die Zunahme der Straftaten steigerte sich von Jahr zu Jahr.

Wo klemmt es?
WS: Hier sind es in erster Linie Bahnhöfe, schlecht beleuchtete Straßen, Parks. Diese Örtlichkeiten werden nur aufgesucht, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Nehmen bestimmte Delikte überproportional zu?
WS: Es sind die Straftaten, die bereits angesprochen wurden, wie Enkeltrick, Betrug im Internet, Tricks an der Haustür, Einbrüche in Wohnungen und in Geschäftshäuser, Diebstähle von und aus Autos.
HH: Hinzu kommen versuchte Betrügereien am Telefon und neuerdings auch die zunehmende Zahl von Fahrerflucht bei Beschädigungen an Autos.
Gibt es Bevölkerungsgruppen, die mehr Angst haben als andere haben müssen?

WS: Obwohl sie am wenigsten von Straftaten betroffen sind, haben erfahrungsgemäß die älteren Mitbürger ein größeres Unsicherheitsgefühl.

Was muss Ihrer Ansicht nach passieren, damit Rödermark noch ein Stück sicherer wird?

HH: Die Polizei Dietzenbach und Ordnungsbehörden beider Städte sollten noch enger zusammenarbeiten. Präsenz zeigen, die Bevölkerung einbinden beziehungsweise mit aktuellen Presse-Beiträgen, gemeinsamen Aktionen und Informationsveranstaltungen wie dem Polizei-Bus aufklären und warnen.

Ist nur die Polizei gefordert? Oder muss die Stadt noch weitere Hausaufgaben erledigen? Sie haben ja jahrelang für die Videokameras an den Bahnhöfen gekämpft.

WS: Seit die Videoüberwachung am Bahnhof Ober-Roden in Betrieb ist, sind dort die Straftaten erheblich zurückgegangen. Für die Videoüberwachung des Bahnhofs in Urberach sind laut Auskunft des Ordnungsamtes die Verträge unterschrieben und die Inbetriebnahme ist für Februar geplant.

Kameras nur an den Bahnhöfen oder auch an anderen Orten?

WS: Weitere Kameras sind meines Erachtens nach im Stadtgebiet von Rödermark nicht notwendig, da die beiden Bahnhöfe Kriminalitätsschwerpunkte waren beziehungsweise sind.
HH: Ich sehe es etwas anders: Eine polizeiliche Auswertung von Straftaten sollte die Schwerpunkte in den einzelnen Ortsteilen aufzeigen, danach besteht eventuell Handlungsbedarf.

Was kann ein Verein wie „Bürger für Sicherheit“ bewirken?

HH: Wir können nur präventiv wirken. Mit Vorträgen, Verteilung von Unterlagen sowie der Teilnahme an Veranstaltungen (z.B. Messen, Polizei-Bus usw.) versuchen wir die Bürger aufzuklären, zu informieren, um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen. Unsere Informationsveranstaltungen sind gut besucht, Aktuelle Informationen und Warnungen sind auch in unserer Homepage veröffentlicht: Wir bieten auch Vorträge über sämtliche Themen der Kriminalitätsvorbeugung gemeinnützigen Organisationen, Vereinen und Interessengemeinschaften, Schulen, sowie auch Parteien an. Dies geschieht sowohl im regionalen als auch im überregionalen Bereich.
Sie sind beide polizeilich zertifizierte Sicherheitsberater. Was tun Sie?
WS und HH: Wir geben aktuelle Tipps zu Einbruch, Diebstahl, Haus- und Wohnungssicherheit, Trickbetrügereien, Abzocke am Telefon, Enkeltrick, Gefahren im Internet und sozialen Netzwerken, Mobilität und Verkehrssicherheit sowie Gewalt, Sehen, Helfen, um nur einige Schwerpunkte zu nennen.

Der Verein Bürger für Sicherheit in Rödermark ist sowohl über seine Homepage als auch über E-Mail, Telefon oder mit einem Brief für jeden Bürger erreichbar.

Homepage: www.buergerfuersicherheit-roedermark.de
E-Mail und Telefon:
Horst Hyland: hhyland@t-online.de, 06074 917725;
Wolfgang Schaefer: info@schaefer-wolf.de, 06074 922992
Post: Bürger für Sicherheit in Rödermark, Postfach 200405,
D-63309 Rödermark.

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